Fachartikel

Frauenwirtschaftstage 2017

Frauenwirtschaftstage 2017

Liebe WBClerinnen,

nun ist wieder ein Jahr vorbei und die diesjährigen Frauenwirtschaftstage stehen vor der Tür.

Der Women’s Business Club Südwest (WBC) ist wieder mit dabei mit einem besonderen Angebot:
Frauenwirtschaftstage 2017

Seien Sie dabei!
Wir freuen uns über eine rege Teilnahme!

Ihre Löschung aus dem Women’s Business Club Südwest

Machen Sie diese Fehler in Englisch?

Machen Sie diese Fehler in Englisch?

Autorin: Doris Graf

“Please, can I have more informations” ist sicherlich einer der häufigsten Sätze mit eingebautem Fehler, der mir in fast jeder Lerngruppe – egal ob Duale Hochschule, Firmenseminar oder Volkshochschulkurs – begegnet. Für Deutsche sind es eben InformationEN, die sie benötigen. Da klingt die Einzahl eher seltsam, ist aber so information, ohne jedes S.

Manch ein Fehler in der englischen Sprache hat sich nach Jahren des Gebrauchs so im Kopf ‘eingenistet’, dass er sich nur mit konzentriertem Aufwand korrigieren lässt (den Willen dazu immer vorausgesetzt!). Auf dieser Seite sollen in den kommenden Wochen einige dieser ach-so-häufigen Fehler im “deutschen Englisch” unter die Lupe genommen werden.

“Do you like a coffee?”
Diese Frage ist generell zu verstehen im Sinne von “Trinken Sie gern Kaffee?”. Meistens möchte der Frager jedoch damit seinem Gegenüber eine Tasse Kaffee anbieten. Entsprechend sollte die Frage lauten: “Would you like (a cup of) coffee?”

“Did you have many rain during your holiday?”
Der Umgang mit zählbaren und nicht-zählbaren Dingen! Kennen Sie diesen Satz?
Regen – bestenfalls einzelne Tropfen! – lässt sich nun mal nicht zählen. Er gehört damit zu den sog. uncountable nouns d.h. den nicht-zählbaren Substantiven. Korrekt wäre es so:
“Did you have much rain during your holiday?” Freundlicher wäre jedoch die Frage so: “Did you have nice weather?”
Ebensolche gängigen Substantive sind z. B. time, love, attention, music, water, art, u.s.w., die das Wort much erfordern.
Ist dieser Regen jedoch erst einmal in Regentonnen gesammelt, lassen sich die Tonnen zählen: “How many barrels of rainwater did you collect?”

Wie sagen Sie Zeugnis auf Englisch?
Haben Sie’s gewusst? UK: (school) report, US: report card, wenn es um Schulzeugnisse geht.
Bei Arbeitszeugnisse vom Arbeitgeber spricht man von (letter of) reference oder letter of recommendation, oder auch testimonial.
Bei einem Hochschulzeugnis bzw. –diplom ist university graducation certificate ein treffender Begriff.

Und hier noch einige „falsche Freunde“ (false friends), wie ich Sie öfter höre:

“I was sitting on a bank when he arrived.” Die deutsche Sitzbank ist “bench” in der englischen Sprache.
Bank bezieht sich, wie im Deutschen auch, u. a. auf das Finanzinstitut.

He goes to a gymnasium. Was der Sprecher hier sagen will ist im britischen Englisch die “grammar school”, im amerikanischen Englisch die „high school“. Die „grammar schools“ sind heutzutage jedoch großenteils sog. „comprehensive schools“ (Gesamtschulen). Unter „gymnasium“ (oder „gym“) wird allgemein eine Turnhalle verstanden. Für die meisten wenig verlockend. :-)

Demnächst geht es weiter mit diesen Deutsch-Englischen Fehlerteufelchen.

Stay tuned!

Doris Graf

Smalltalk – auch auf Deutsch

Smalltalk – auch auf Deutsch

Dr. Gabriele Finger-Hoffmann

Small talk for big business

Wie albern und nur selten nötig, denkt man. Oder doch? Wenn Sie bei der Vorstellung einer neuen Software-Plattform herumstehen, und niemanden wirklich kennen. Wenn Sie als Berufsgruppe eingeladen sind auf einem Kongress und sich mit Ihren künftigen Partnern erst einmal anwärmen sollen. Wenn Sie im Freundeskreis auf Menschen treffen, die ein verwandtes Fachgebiet haben oder sogar als Kunden in Frage kommen. Dann heißt es Smalltalk machen. Aber wie?

Interesse haben

Ich habe meine künftigen Gesprächspartner im Auge, versuche schon vorab einiges von ihnen zu erfahren. Ich recherchiere und frage Kollegen, falls diese Informationen zu den Personen haben, die ich treffen werde. Ich mache mich mit dem Haus vertraut, in dem die Begegnung stattfindet. Ein Klick sagt mir, wie das Firmenhaus aussieht, wann es gebaut wurde und welche Geschichte es hat. Wenn im Netz nichts bekannt ist, traue ich meinem Augenschein. Ein solches Vorwissen dient dem Smalltalk.

Mut haben

Als erstes: Haltung bewahren. Meinen eigenen inneren Status, der kräftig ist und zupacken kann, bewusst wahrnehmen und einsetzen, ihn ermuntern zum Handeln: Wenn mich niemand anspricht, spreche ich jemanden an. Ich stelle mich und meine Funktion vor, gebe meinem Gegenüber sogar die Hand, wenn es passt, und spreche über eine Episode des Alltags. Viel belächelt, aber immer wieder richtig: Ich spreche über das Wetter und meinen Eindruck davon. Oder über den Raum, in dem man sich befindet.
Da diese Themen rasch erschöpft sind, habe ich andere auf Lager, etwa die derzeitige Verkehrslage in der Stadt, die über alle große Politik und Religion erhaben ist.

Aufmerksam zuhören

Es wäre doch gelacht, wenn mein Gesprächspartner da nicht anbeißen würde. Meine Zuwendung ist ihm ja sicher und mein Freundlichkeit auch. Und mein Humor. Außerdem gut, wenn man im Smalltalk durch Fragen sein Interesse zeigt. Ich höre aufmerksam zu und begleite die Ausführungen mit Aufmerksamkeit und Blickkontakt. Lächeln ist erlaubt.

Kenntnisse haben und zeigen

Wichtig ist, dass Sie das Thema, das Sie anschneiden, beherrschen. Zur Not haben Sie vor der Veranstaltung, wie bereits betont, noch ein paar aktuelle Fakten recherchiert und flechten diese in Ihre Plauderei ein. Sagen Sie ruhig, wenn Sie ein paar Infos gerade erst gelesen oder gehört haben, – reell und Vertrauen erweckend, wenn Sie die Quelle Ihrer Kenntnisse nennen.
Sobald Sie also den ersten Schritt gewagt haben, stellen Sie im Gespräch das Gute Ihrer Geschäftsbeziehung in den Vordergrund. Kritische Belange folgen erst im zweiten Schritt – erst nach dem Ausbau des persönlichen Kontakts.

Weitere Tipps for small business

  • Pausen gehören mit zum Gespräch. Sie sind Inseln zum Ausruhen.
  • Sie müssen nicht geistreich sein. Auch nicht überlegen wirken.
  • Nehmen Sie sich Zeit.
  • Erzählen Sie eine kleine Geschichte, die sie gerade erlebt haben.
  • Ein Erlebnis mit Nachbarn vielleicht oder von Dingen, die sich im Geschäftsleben ereignet haben.
  • Sie dürfen auch Nachfragen, wenn Ihnen etwas unklar ist. Das zeigt Ihr Interesse.
  • Und loben sie, wenn es etwas zu loben gibt, ziehen aber keine Vergleiche.

Sie dürfen Ihren Gesprächspartner auch um Rat bitten, vor allem den männlichen, der sich vermutlich besonders darüber freut.
Frauen und Männer machen unterschiedlichen Smalltalk, heißt es: Männer seien eher zielbewusst, Frauen eher beziehungsbewusst.

Mein Rat hierzu: Auch beim Smalltalk möglichst ehrlich bleiben. Sie probieren es bei nächster Gelegenheit einfach Mal aus. Und wenn Sie alles schon wussten, dann nehmen Sie die Tipps als Test. Sie haben ihn glänzend bestanden, und plaudern auch künftig so locker und souverän, als gäbe es nichts Leichteres auf der Welt – als den charmanten Smalltalk. Und für jene, die zum Zögern neigen: Alles eben Gesagte vergessen und sich einfach spontan reinwerfen in die Menge…

Dr. Gabriele Finger-Hoffmann

Klare Aussagen sind nicht überall geschätzt

Klare Aussagen sind nicht überall geschätzt

Autorin: Elke Müller

Wir als Deutsche sind es gewohnt, Dinge klar beim Namen zu nennen, kurz und prägnant zu kommunizieren und mögen es gar nicht, wenn wir das Gefühl haben, unser Gesprächspartner ‘redet um den heißen Brei herum’. Unsere direkte Kommunikation wird jedoch nicht von allen internationalen Gesprächspartner geschätzt, sondern oft als ‘kühl’, als ‘verletzend’ wahrgenommen.

Edward Twitchell Hall (1914 – 2009), ein amerikanischer Anthropologe, machte als Soldat während des 2. Weltkrieges in Europa die Erfahrung, dass es große Unterschiede in der internationalen Kommunikation gibt. Diese Erfahrung gab den Anstoß, sich zeitlebens mit der Erforschung interkultureller Unterschiede zu beschäftigen.

Seine zentrale These geht davon aus, dass sich Missverständnisse zwischen Kulturen auf bestimmte Parameter begründen, die für alle Kulturen gelten. Um diese These zu untermauern, wertete Edward T. Hall gemeinsam mit seiner Ehefrau Mildred Reed Hall Artikel, Geschäftsberichte, Geschäftsverhalten, usw. aus, führte unzählige Interviews, vor allem mit internationalen Managern.

Aus diesen Forschungen leitete er unter Anderem folgende Kulturdimension ab: ‘High-Context-Culture’ und ‘Low-Context-Culture’. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass sich hinter der gesprochenen Sprache und der Art des Ausdrucks viel mehr ‘ungesagte’ Informationen verbergen. Diese zusätzlichen Informationen nennt Edward T. Hall ‘Kontext’.

Für eine ‘Low-Context-Culture’ gilt: Das ‘Was’ gesagt wird, ist die Information. In einer ‘Low-Context-Culture’ kommt es dagegen sehr viel weniger auf das Was, sondern viel mehr aus das ‘Wie’ wurde die Information weitergegeben, oft spielt es auch eine Rolle ‘Wer’ kommuniziert.

Deutschland ist eine ‘Low-Context-Culture’, wie unsere skandinavischen Nachbarn auch. Zu den ‘High-Context-Cultures’ zählen unter Anderem die arabischen, die südeuropäischen Staaten und überwiegend der asiatische Kulturraum.

In einem Gespräch zwischen einem Deutschen und einem arabischen Geschäftspartner kann dieser Unterschied dazu führen, dass wir Gesagtes nicht verstehen oder glauben, von unterschiedlichen Gesprächspartnern unterschiedliche Antworten auf die gleiche Frage erhalten zu haben. Daraus wird der Schluss gezogen, die Antworten sind nicht ‘ehrlich’ und unbeständig oder unzuverlässig. Im Gegenzug empfindet der arabische Gesprächspartner unsere sehr direkte Art der Kommunikation als sehr ungeduldig, ja fast unhöflich.

Am deutlichsten tritt dieser Unterschied bei der Formulierung negativer Aussagen zu Tage. Während wir Kritik offen ansprechen, wird ein indirekt kommunizierender Asiate die Situation umschreiben und den eigentlichen Kritikpunkt, aus unserer Sicht, nicht bei Namen nennen. Für einen Deutschen bliebe der Kern der Aussage verborgen, ein asiatischer Kollege wäre betroffen über die für ihn deutlich zu hörende Missstimmung.

In den meisten ‘High-Context’-Kulturen gibt es kein klares ‘Ja’ oder ‘Nein’. So könnte ein ‘Nein’ gemeint sein, wenn die Frage mit einer Gegenfrage zu einem anderen Thema oder einer unverbindlich klingenden Umschreibung beantwortet wird.

Auch im gesamten angelsächsischen Rum wird indirekter kommuniziert. „Ich habe in dem abgelieferten Bericht die Aufstellung zu den Umsätzen mit Kunde XY nicht gefunden“ ist für einen britischen oder amerikanischen Mitarbeiter eine deutliche Kritik an seiner Arbeit. Nicht der Chef findet die Aufstellung nicht, sie ist gar nicht im Bericht enthalten! Wie hätten Sie es verstanden?

Elke Müller

Impro gegen Stress

Impro gegen Stress

Autorin: Gabriele Kretzer

Stress ist heutzutage allgegenwärtig und wir alle stehen vor der Herausforderung, mit diesem Stress angemessen umzugehen.

Welche Umstände lösen Stress aus?

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu Stress und den bekannten Symptomen führen:

Fremdbestimmung hat einen großen Einfluss darauf, welche Einstellung man zu verschiedenen Situationen hat. Je weniger man sein Leben selbst bestimmen kann, bzw. seinen Alltag gestalten kann, desto mehr Stress entsteht.

Ein weiterer Punkt der zu Stress führen kann, ist die heute vorherrschende Komplexität des Lebens, d. h. wir leben in einem Informationsüberfluss und die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, löst bei vielen Menschen Stresssymptome aus.

Es kommt zudem meist alles anders als geplant – egal wie gut Sie auf eine Situation vorbereitet sind: Sobald Sie mit Menschen zusammenarbeiten bzw. zusammenleben, können Sie mit Ihrer persönlichen Planung nur einen geringen Teil des Geschehens beeinflussen. Man nennt es ‘Störung’ oder ‘Zeitfresser’ – egal welchen Namen man verwendet, es löst Stress aus, wenn es nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat.

Wie kommt es nun, dass manche Menschen darauf souverän reagieren und manche Menschen in Stress geraten und völlig aus dem Konzept kommen?
Welche Fähigkeiten zeichnen die Menschen der ersten Gruppe aus?

Die Menschen, die souverän auf die täglichen Herausforderungen reagieren, sind gut vorbereitet – auf alles was kommen kann. Sie nehmen die Situation wie sie kommt und machen das wirklich Beste daraus.

Und hier schließt sich der Kreis zum Improvisationstheater: Auch hier gilt die wichtigste Regel, alles anzunehmen, was einem auf der Bühne angeboten wird.
Ohne Diskussion und Lamentieren.

Beim Improvisationstheater weiß man nie, was aus welcher Richtung kommt und die Teilnehmer reagieren spontan – aus dem Bauch heraus.
Je länger Impro-Theater gespielt wird, umso mehr hält dieses Verhalten im alltäglichen Leben Einzug. Auch im Geschäftsmeeting oder beim Kindergeburtstag wird durch das Übernehmen des Verhaltens aus dem Impro-Theater ein souveräner Auftritt geschafft.

Kann man das lernen?

Ja, jeder kann lernen, spontan und stressfrei auf den Alltag zu reagieren. Übung macht den Meister und in regelmäßigen Übungsabenden wird mit viel Spaß gelernt, geübt und verinnerlicht.
Das Leben ist eine Bühne – lassen Sie uns gemeinsam die Improvisation leben!

Gabriele Kretzer

Die Kunst des leichten Gesprächs: English Small Talk

Autorin: Doris Graf

Von manchen als unnütze Zeitverschwendung abgewehrt, von anderen als „the fine art of conversation“ gepflegt: Warum Zeit für Small Talk aufbringen, wenn man doch lieber gleich „zur Sache“ kommen möchte? Lesen Sie hier warum Small Talk soviel wichtig ist – geschäftlich und privat.

Warum eigentlich Small Talk halten?

Im täglichen – und speziell beruflichen – Miteinander ist der Small Talk das was der Appetizer für den Magen und der Warm-up für den Körper vor dem Workout ist: ein charmant-intelligenter Weg , beim Gegenüber einen freundlichen Grundton aufkommen zu lassen, angespannte Situationen zu beruhigen, eine Atmosphäre aufzuheitern oder schlichtweg sich einander zu nähern. Mit solch positiver Einstimmung kann der weitere Verlauf einer Begegnung mit Kunden oder beim Vorstellungsgespräch nur harmonisch verlaufen. Übrigens: das häufigst gewählte Thema ist tatsächlich nach wie vor das Wetter!

Gibt es so etwas wie „perfekten Small Talk“?

Ich meine ja. Man wähle dazu leichte Themen, um Konfrontationen vermeiden. Bleiben Sie entspannt; schließlich geht es hier um keine Prüfung irgendwelcher Kenntnisse, sondern vielmehr darum, dass Sie sich Ihrem Gesprächspartner mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit zuwenden und dabei authentisch sind. Selbstprofilierung ist hier fehl am Platz. Gehen Sie stattdessen auf die Themen Ihres Gegenübers ein und zeigen Sie echtes Interesse.

Nachstehend habe ich für Sie einige Tipps, die Ihnen den Weg in die Kunst des leichten Gesprächs ebnen sollen:

Tun & Tabu beim Small Talk

Auch wenn Ihnen bislang jede Übung in dieser Kunst fehlt (was ich bezweifle), Sie dürfen erstaunt über Ihre künftigen Gesprächsverläufe sein, wenn Sie sich an die folgenden Hinweise halten:

Vor dem Small Talk: Wie bereite ich mich vor?

Ganz einfach: Seien Sie informiert über aktuelle Ereignisse in Kultur, Sport und Alltagsgeschehen bzw. pflegen Sie ein gutes Allgemeinwissen. Niemand wird von Ihnen wissenschaftliche Kenntnisse erwarten: Bleiben Sie locker und warten Sie ab, mit welchen Themen Ihr Gegenüber Sie überraschen könnte. Ist Ihnen der Grund des Anlasses bekannt, kann es hilfreich sein, im Vorfeld wesentliche Nachrichten aus dem Bereich im Internet oder in bezüglichen Zeitschriften nachgelesen zu haben.

Lassen Sie sich mit freudiger Haltung auf einen Small Talk ein, denn im Vordergrund steht der ungezwungene Austausch mit Ihrem Gegenüber, seine/ihre persönlichen Reaktionen und die Atmosphäre, die sich zwischen beiden Gesprächspartnern entwickelt.

Während des Gesprächs

Ein wesentliches Kriterium auf dem Weg zu einem angeregten Gespräch ist, den gegenüberstehenden Gesprächspartner zur wichtigen Person zu machen – nicht sich selbst! Sprechen Sie klar und deutlich, ohne aufdringlichen Blickkontakt. Hören Sie genau zu, gehen Sie auf alle Antworten ein und unterbrechen Sie nicht, denn: wichtig ist hier nur Ihr Gesprächspartner!

Achten Sie im Gespräch auf eine angemessene körperliche Distanz bei gleichzeitig offener Körperhaltung. Lautes Reden, ausladende Gesten und Körperkontakt wird Ihr (speziell deutsches oder britisches) Gegenüber nicht sehr schätzen.

Wie bringe ich einen Small Talk zum Abschluss?

Nach einiger Zeit im Gespräch merken Sie es: die Themen gehen aus. Sorgen Sie für einen stimmigen Abgang, indem Sie z.B. zuvor eine weitere Person ins Gespräch ziehen oder sich mit einem Hinweis auf den Gang zum Buffet oder auf den Balkon vom Gesprächsort entfernen. – Schlussfolgerung: Überdenken Sie nochmals Ihre mögliche Anti-Haltung zum Small Talk. Es geht nicht um Informationsaustausch, sondern vorrangig darum, das Gegenüber kennen zu lernen, eine positive Grundstimmung zu entwickeln und Spannungen abzubauen. Ist das nicht lohnend genug?

Doris Graf

Werte-Impuls zur Zähigkeit

Autorin: Ulrike Demmel

Werte-Impuls zur Zähigkeit

„Die Welt verändert sich nicht durch immer neuere Maßnahmen, sondern durch eine neue Gesinnung.“ (Albert Schweizer)

Marmor, Stein und Eisen bricht – ein zäher Mensch wohl nicht. Zähigkeit, dieses Wort steht im allge¬meinen für eine Materialeigenschaft. Bei Menschen drückt sie ein Charak¬termerkmal aus oder ist ein Stimmungsbarometer, zum Beispiel in Gesprächs¬situationen. Da ist ‚Daniel ein zäher Hund‘ oder die ‚Verhandlungen mit den Franzosen verlaufen zäh‘.

Zähigkeit – was bedeutet sie in Zeiten wie diesen? Ist sie eine wünschenswerte und notwendige Charaktereigen¬schaft in Veränderungsprozessen oder erdrutschartigen Bewegungen in eta¬blierten Systemen? Wenn der Verlust von Arbeitsplätzen droht, die Gesund¬heitssysteme ihren ursprünglichen Leis¬tungsumfang nicht mehr halten können, wenn das Schul- und Bildungssystem an allen Ecken und Enden knackt…. – ist dann Zähigkeit gefragt? Was empfin¬den Sie, wenn Sie über Zähigkeit nach¬denken?

Zähigkeit ist bunt und breit gefächert! Ein schillerndes Wort, man kann es beinahe meditativ, ja sogar hypnotisch nennen. Es gibt wohl niemanden, der mit dieser Eigenschaft noch keine Be¬gegnung oder Erfahrung im Leben gemacht hätte. Je zäher ein Werkstoff, desto widerstandsfähiger ist er gegen Bruch oder Rissausbreitung. Das Ge¬genteil sind ‚spröde‘ Materialien wie Glas, Keramik oder einige Kunststoffe. Sie sind nur sehr begrenzt in der Lage, sich plastisch zu verformen, weil sie we¬sentlich weniger Energie aufnehmen als zähe Werkstoffe, bevor sie brechen.

Auch bei Nahrungsmitteln wird von Zä¬higkeit gesprochen – ‚das Steak ist heu¬te aber ganz schön zäh‘. Ein solches Stück Fleisch kann nicht mit Genuss verzehrt werden – es sei denn, es wird ‚weichgeklopft’. Auch bei schwierigen und andauernden Verhandlungen, langwierigen Entscheidungsprozessen wird Zähigkeit empfunden. Jeder kennt es, jeder hat es erlebt. Aber bekommt nicht eine ‚zähe Verhandlung’ einen anderen Wert, betrachtet man sie aus der Perspektive, dass ihr Ergebnis bruchsicher und nicht bei nächster Ge¬legenheit zerspringen, sich verformen soll?

Welchen Dienst erweist die Zähigkeit einer Führungskraft? Wo kann sie am besten zur Geltung kommen? Wann sollte sie besser reduziert werden? Um ein Thema sorgfältig zu bearbeiten oder angestrebte Ziele erreichen zu kön¬nen, wird ein gewisses Maß an Zähigkeit benötigt. Ihre verwandten Eigenschaften sind Stabilität, Beharrlichkeit, Zielstre¬bigkeit und Durchhaltevermögen. Aber auch eine gute Dosis Fingerspitzenge¬fühl muss die Zähigkeit begleiten. Erst mit ihr wird der passende Zeitpunkt er¬kannt, wann des Zähen zu viel würde. Diese balancierende Sensibilität führt zu Haltungen wie: ‚Lasse auch andere zu Wort kommen‘, ‚Integriere verschie¬dene Ansichten, wenn es darum geht, im Mitarbeiterteam Projekte zu verwirk¬lichen, Prozesse zu verändern oder Standards zu etablieren‘, ‚Delegiere, frage nach und kontrolliere nur die Ar¬beitsergebnisse‘.

Optimale Zähigkeit ist bei qualitativ hochwertigen Werkstoffen ein wichtiges Gütemerkmal. Im menschlichen Miteinander kann übertriebene Zä¬higkeit jedoch zum Scheitern führen. Ein Mensch, der ausschließlich hart wie Stahl ist, kann andere Menschen nicht begeistern und mitziehen. Im Ge¬genteil, er wird am Ende meist alleine dastehen. Viele Erfinder wären einzig mit Zähigkeit nie ans Ziel gekommen. Die höchsten Gipfel dieser Welt wären noch nicht bestiegen. Das Erlebnis der ‚Moments of Excellence’ gäbe es nicht. Barack Obama hätte die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten verloren, Oprah Winfrey wäre nicht zur erfolgreichsten Talkmasterin der USA geworden.

Jeder von uns besitzt die Gabe der Zä¬higkeit – wie nutzen Sie sie?

Ulrike Demmel

Ihre Stimme als Karrierefaktor

Autorin: Constance Klemenz

Ihre Stimme als Karrierefaktor

Die Stimme und die Sprechweise sind ein wichtiges Kriterium für Ihre Karriere. Der Ton macht bekanntlich die Musik. Mit meiner Stimme präsentiere ich mich bei meinen Zuhörern, vermittle Respekt, Seriosität, Kompetenz und vor allem Authentizität. Bei allen nun folgenden Ratschlägen steht eines immer an oberster Stelle: Bleiben Sie immer SIE SELBST. Unsere Stimme, Sprache und Ausdruck können wir perfektionieren, aber dabei sollten wir glaubwürdig und authentisch klingen. Damit wirken Sie bei ihrem Gegenüber sympathisch und kompetent.

Wissenswertes rund um die Stimme im Beruf

Das „Netzwerk der Stimmberufe stimme.at“ zeigt in einer Studie (Juli 2006), dass Stimme und Sprechweise immer mehr Einfluss auf Bewerbungsentscheidungen nehmen. 91 Prozent der Befragten ziehen Bewerber mit einer „guten Stimme“ und Sprechweise anderen Bewerbern vor. Neben anderen Schlüsselqualifikationen kommt der Ausdrucksfähigkeit somit überraschend hohe Bedeutung zu.

• 53 Prozent halten die Stimme in Bezug auf die Karriere für bedeutend
• 23 Prozent halten die Stimme für eine Führungskarriere sogar für sehr bedeutend

Ausschlaggebend für eine „gute Stimme“ sind nach der Studienautorin Helene Karmasin:

• Ein kräftiger und klarer Stimmklang
• Eine deutliche und sichere Ausdrucksweise sowie
• Die mittlere Sprechstimmlage, die im Gegensatz zu besonders betont tiefen oder hohen Stimmlagen favorisiert wird.
(http://www.estherschweizer.de/media/Presseinfo)

Eine gute Stimme und damit ein erfolgreicher Auftritt bedeutet für uns:

• Aufmerksamkeit schaffen
• Sich durchsetzen
• Sympathisch ankommen
• Inhaltlich verstanden werden
• In Erinnerung bleiben

Wie sagte der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick so schön: „Man kann nicht nicht kommunizieren“.
Richten wir als Redner ständig die Aufmerksamkeit auf uns, leidet nicht nur der Inhalt darunter, auch unsere Nervosität nimmt zu und schlimmstenfalls denken wir Sätze wie: Oh je, bin ich das, die so spricht? Was sag ich denn da? usw.
Was wir dagegen tun können?
Den Blickwinkel verändern – die wichtigste Person sind nicht wir da vorne, sondern das Publikum welches uns zuhört. Schenken Sie diesem Ihre volle Aufmerksamkeit. Damit haben sie automatisch eine höhere Sprechspannung, halten den Blickkontakt und es ist definitiv besser für Ihre Konzentration und das bildhafte Erzählen. Unter „bildhaftem Erzählen“ verstehen wir Sachverhalte in klare Sinnschritte einzuteilen und deutliche Bilder in den Köpfen unserer Zuhörer hervorzurufen.
Die Wirkung unseres Inhaltes hängt aber nicht nur von der verbalen- und nonverbalen Kommunikation ab, sondern auch von der paraverbalen Kommunikation (im Unterton liegende Signale). Das heißt mit Ihrer inneren Haltung verändern Sie die Wirkung Ihrer Worte enorm. Hier ein Beispiel:
Sprechen Sie folgenden Satz in den 2 unten genannten Haltungen.

„Wir sollten den Vertrag unterschreiben.“

• Sie stehen voll und ganz hinter Ihrer Entscheidung
• Sie sind sich überhaupt nicht sicher, trauen sich dies aber nicht zu äußern

Der Satz bleibt in beiden Beispielen gleich, erzählt aber etwas völlig anderes.
Konzentrieren Sie sich daher in Ihrer Präsentations-oder Redevorbereitung auch auf das Gefühl, das Sie bei Ihren Zuhörern auslösen möchten und legen Sie dieses authentisch unter Ihren Inhalt: Begeisterung, Motivation oder Entschlossenheit – das bestimmen Sie.

Nun aber genug erzählt, lassen Sie uns etwas tun – hier ein paar hilfreiche Tipps für Ihre Atmung, Stimme und Sprache:

ATMUNG und ABSPANNEN

• Atmen Sie bewußt 5 Mal ein(Nase) und aus(Mund). Ihre Hände liegen auf der Bauchdecke und gehen mit dem Atem mit.
• Sprechen Sie deutlich folgende Reihenfolge: ptk, ptk, ptk
Ihr Zwerchfell wird aktiviert und Sie müssen nicht mehr bewusst Luft holen

ARTIKULATION

• Sprechen Sie mit lockerem Kiefer: Ja, Ja, Ja
• Nehmen Sie Ihren Daumen und halten Sie Ihn zwischen Ihre Zähne, sprechen Sie jetzt locker das Alphabet. Diese Übung ist sehr gut für das deutliche Sprechen.
• Geläufigkeitsübungen – schnell sprechen:
Balala, balale, balali, balalo, balalu

STIMME

• Denken Sie an ein gutes Essen, reiben Sie sich Ihren Bauch und sprechen Sie abwechselnd:
Mmjomm, mmjamm, mmjemm, mmjumm, mmjimm
Ihre Stimme findet schnell Ihre individuelle Sprechstimmlage

Und jetzt wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrem nächsten Auftritt!

Constance Klemenz

Freiheit und Verantwortung – ein unzertrennliches Paar

Autorin: Ulrike Demmel

Freiheit und Verantwortung – ein unzertrennliches Paar

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht
tun muss, was er nicht will.
(Emil Rousseaus)

Nelson Mandela – eine Ikone der Freiheit
Nicht nur für Afrika ist Nelson Mandela ein Symbol menschlicher Größe. Nicht wenige halten ihn für den berühmtesten lebenden Menschen. 1993 erhielt Mandela – gemeinsam mit Mr. de Klerk – den Friedensnobelpreis. Dabei sagte er „Auf persönliche Auszeichnungen und Preise habe ich nie viel Wert gelegt. Ein Mann wird nicht Freiheitskämpfer in der Hoffnung, Auszeichnungen zu bekommen“. Trotzdem war Nelson Mandela tief bewegt.

Im Angesicht größter Ungerechtigkeit, Menschenverachtung, rassistischer Herrschaft, grausamster und unmenschlichster Gesellschaften entstehen Kräfte, die ein Land wie Südafrika aus der Apartheid führen konnte. Die Opfer Tausender von Menschen eines Volkes, deren Leid, Mut und der Wille zur Freiheit, hat Patrioten und Freiheitskämpfer hervorgebracht und einen Menschen wie Nelson Mandela mit außerordentlichem Mut, Weisheit und Großmut. Es bedarf vielleicht solcher Tiefen der Unterdrückung, um solche Höhen an Charakter hervorzubringen. Der Lebensweg Mandelas ist auf die Freiheit der Menschen in seinem Land ausgerichtet.

Eine Straße, gepflastert mit Visionen und dem unerschrockenen Willen, das Ziel zu erreichen. Die Straße zur Freiheit seines Landes war auch gepflastert mit Unfreiheit für Nelson Mandela.

Die Stationen der Straße zur Freiheit:
Schicksal der Geburt (1918)

Nelson Mandela erhält den Namen Rolihlahla, was wörtlich bedeutet „Am Ast eines Baumes ziehen“ oder so viel wie „Unruhestifter“.

Wertesystem der Ahnen und der Gesellschaft

Sein Leben wird geformt durch Sitten, Rituale und Tabus seines Volkes. Erst 9 Jahre alt, wird er zum Wahlbezirksführer ernannt. So übernahm Nelson Mandela schon sehr früh Verantwortung und politische Aufgaben.

Ausbildung zum Bewahrer des aktuellen Wertesystems

Erziehung und Ausbildung gemäß der königlichen Abstammung zum Berater der Herrscher des Stammes. Dies entwickelt seine Fähigkeit, Konflikte lösen zu können und zu vermitteln. Sein Vater lehrt ihn die Kunst des Redens. Schnelligkeit und Überlebenstechniken durch Sport und Spiel gehören zur täglichen Disziplin.

Begegnung mit dem Wertesystem der Kolonialherren

Den Namen Nelson erhielt er von der britischen Schule. Warum gerade Nelson – vielleicht hat es mit dem großen britischen Seefahrer Lord Nelson zu tun, das wäre reine Vermutung. Der junge Nelson lernt britisches Gedankengut, britische Kultur und die Höherwertigkeit britischer Institutionen. Afrikanische Kultur kam nicht vor.

Ausbildung in den königlichen Disziplinen

Nach dem Tod seines Vaters, im Jahr 1927, wird Nelson am Hof des amtierenden Regenten erzogen, wo die Fähigkeit zur Zähigkeit und Selbstdisziplin entwickelt werden konnte. Vorbilder aus der königlichen Umgebung prägten Mandelas Bewusstsein, wo er im Geist der Liebe und Gerechtigkeit streng erzogen wurde.

Erweiterung des Wissenshorizontes

Nelson besucht das Wesleyan College und die Universität in Fort Hare, eine Art Kaderschmiede einiger der größten afrikanischen Gelehrten. Dort wird Nelson bewusst, dass Erfolg aus harter Arbeit und Mäßigung erwächst.

Schärfung der Wahrnehmung und des Bewusstseins

Im weiteren Verlauf des Werdeganges macht Nelson Bekanntschaft mit der Großstadt und den Entbehrungen mangels finanzieller Mittel. Trotz allem, er geht seinen Weg. Er will Rechtsanwalt werden.

Begegnung mit liberalen Wertesystemen

Die englischsprachigen Universitäten Südafrikas waren wichtige Pflegestätten liberaler Wertvorstellungen. Auch Schwarze waren zugelassen. Nelson Mandela fühlte sich jedoch als Außenseiter, bestenfalls als Kuriosität und schlimmstenfalls als Eindringling. Ein Leben im Spannungsfeld von Großzügigkeit und Feindseligkeit.

Zeit der Transformation

Traditionen aus der Vergangenheit verlieren ihre Kraft. Die ursprünglichen Berufswünsche verlieren gleichermaßen ihre Anziehungskraft. Eine Zeit der Neuorientierung und Transformation beginnt. 1942/43 ist Nelson weder politisiert noch ein Freiheitskämpfer. Im Verlauf der nächsten Monate
erlebte er Kränkungen, Momente, die Wut erzeugten, den Wunsch nach einer rebellischen Haltung, das Verlangen, das herrschende System in Südafrika zu bekämpfen, das sein Volk einkerkerte.

Schärfung des politischen Bewusstseins

Beginn des politischen Engagements und Gründungsmitglied der Jugendliga. Auseinandersetzung mit dem legendären Minenarbeiterstreik von 1946 und den Folgen. Übernahme einer Position im ANC.

Entwicklung des eigenen Wertesystems

Erkennen der Apartheid als menschenverachtendes und ausgrenzendes System. Schärfung der Fähigkeiten, die ein Freiheitskämpfer braucht.

Eintritt in den Freiheitskampf, 1951

Nelson Mandela betrachtete Gewaltlosigkeit nach dem ‚Gandhischen Modell‘ als Taktik. 250 Freiwillige verstießen im ganzen Lande an einem bestimmten Tag gegen verschiedene ungerechte Gesetze und wurden inhaftiert. Die Kampagne währte ein halbes Jahr.

Der Kampf ist mein Leben

So lautet das 4. Kapitel in Mandelas „Der lange Weg zur Freiheit“. Damit ist der Weg, ein Freiheitskämpfer zu werden, abgeschlossen. Ein neuer Abschnitt hat begonnen und zwar der, ein Freiheitskämpfer zu sein. Der Werdegang des Nelson Mandela zeigt auf, dass es mehr als einer Berufung bedarf, eine Vision zu erfüllen und Ziele zu erreichen. Viele Herausforderungen auf dem Weg müssen bestanden werden, und die Entwicklung vieler Fähigkeiten war nötig, um zu der
charakterstarken und charismatischen Persönlichkeit zu werden, als die Nelson Mandela gedacht war. Die Folge seines Handelns prägt den Zufall und nicht umgekehrt. Wie sieht es aktuell in unserer Welt aus? Wo können sich heute charakterstarke und charismatische Persönlichkeiten entwickeln? Vielleicht im Angesicht von Erschütterung und Krise der herrschenden Wirtschaftssysteme? Viele haben die Erfahrung gemacht, dass Freiheit sich innerhalb von Grenzen entfaltet. Wer Freiheit bewusst wahrnehmen möchte, setzt sich mit ihren Grenzen auseinander. (ud)

Literaturtipp: Der lange Weg zur Freiheit.
Nelson Mandela
Fischer Verlag Frankfurt, 1997

Frankl – eine Ikone der Verantwortung

Viktor Frankl zum Thema Freiheit Auszug aus einem Live-Mitschnitt zum Thema Freiheit – Unfreiheit –
Verantwortung

Frankl berichtet von seiner Übersiedelung vom Konzentrationslager Theresienstadt nach Auschwitz, wo die Überlebenschance lediglich 1:29 beträgt und die Versuchung hoch ist, gegen den elektrisch geladenen Zaun zu laufen, um dem Leben ein Ende zu setzen. An diesem Punkt jedoch hat Frankl sich selbst das Ehrenwort gegeben, seinem Leben kein gewaltsames Ende zu setzen. Denn – so führt er aus – es gibt keine absolute Garantie dafür, dass er das Konzentrationslager nicht überleben werde. Frankl übernimmt Verantwortung, denn – so vermutet er – „jemand wird da sein, der auf mich wartet“. Leider hat letztendlich niemand auf ihn gewartet. Alle waren tot. Und so waren es die Arbeit und seine Habilitationsschrift, die ihn von dem gewaltigen Verlust seiner Familie ablenkten.

Unfreiheit mit Verantwortung

„In einer Zeit der absoluten Unfreiheit gab es ein Verantwortungsbewusstsein, es war ein Verantwortungsgefühl im Verlust der Freiheit im Konzentrationslager.“

Freiheit ohne Verantwortung

„Und andererseits gibt es eine Freiheit unter dem Verlust des Verantwortungsgefühls.“ Jahrzehnte später wird es in den Oststaaten offensichtlich. Die Freiheit, zu der diese Staaten gelangt waren, hat sich laut Kriminalstatistik der dortigen Behörden dahingehend geäußert, dass die Kriminalität innerhalb eines Jahres bis zu 700 Prozent gestiegen war. Das ist Freiheit ohne Verantwortung. Darin sieht Frankl eine Bestätigung dessen, was er den amerikanischen Studenten zu sagen pflegte: „Schaut, dass eure Freiheitsstatue an der Ostküste ergänzt wird durch eine Statue der Verantwortlichkeit an der Westküste.“ Die Vereinigten Staaten, die die Freiheitsstatue etabliert haben, haben 200 Jahre Zeit gehabt über die Freiheit hinauszuwachsen, hinein in die Verantwortlichkeit. Die Erziehung zur
Verantwortlichkeit dauert länger als ein Jahr und das ist die tragische Situation, vor der man die Augen nicht verschließen kann im Blick auf die befreiten Staaten.

Chance von Leid

Frankl weist darauf hin, dass es möglich ist, die Vergangenheit in einem positiven Sinne aufzuarbeiten. 1954 hielt er in New York seinen ersten Vortrag. Nach der Veranstaltung kam ein Herr auf ihn zu und sagte: „Herr Frankl, sie werden es nicht bemerkt haben, aber es gab einen gewissen Widerstand bei ihrem gestrigen Vortrag.“ Frankl hinterfragte die Aussage und nahm an, dass er den Studenten mit seinem Vortrag zu viel zugemutet habe. „Nein, nein — ganz und gar
nicht, etwas anderes“, antwortete dieser Herr. „Die Zuhörer haben Sie beneidet. Denn: Sie haben gelitten, wir Amerikaner haben nicht gelitten.“ Dieser Mann hatte dargestellt, dass man einen anderen Menschen um seine leidvolle Vergangenheit beneiden kann. Dazu sagte Frankl: „Den jungen Generationen ist Leid erspart geblieben. Es ging ihnen nie wirklich mies, und das hat seinen Preis. Leidvolle Situationen können nicht mit vergangenen leidvollen Situationen verglichen werden.
Wenn es einem Menschen heute schlecht geht, dann kann sich dieser nicht sagen, dass es schon viel schlimmere Erfahrungen gab. Dies führt in eine generationsspezifische Frustrationsintoleranz.“

Literaturtipp: Was nicht in meinen Büchern steht. Viktor E. Frankl
Beltz Verlag, 2003

Ulrike Demmel

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