Smalltalk – auch auf Deutsch

von

Dr. Gabriele Finger-Hoffmann

Small talk for big business

Wie albern und nur selten nötig, denkt man. Oder doch? Wenn Sie bei der Vorstellung einer neuen Software-Plattform herumstehen, und niemanden wirklich kennen. Wenn Sie als Berufsgruppe eingeladen sind auf einem Kongress und sich mit Ihren künftigen Partnern erst einmal anwärmen sollen. Wenn Sie im Freundeskreis auf Menschen treffen, die ein verwandtes Fachgebiet haben oder sogar als Kunden in Frage kommen. Dann heißt es Smalltalk machen. Aber wie?

Interesse haben

Ich habe meine künftigen Gesprächspartner im Auge, versuche schon vorab einiges von ihnen zu erfahren. Ich recherchiere und frage Kollegen, falls diese Informationen zu den Personen haben, die ich treffen werde. Ich mache mich mit dem Haus vertraut, in dem die Begegnung stattfindet. Ein Klick sagt mir, wie das Firmenhaus aussieht, wann es gebaut wurde und welche Geschichte es hat. Wenn im Netz nichts bekannt ist, traue ich meinem Augenschein. Ein solches Vorwissen dient dem Smalltalk.

Mut haben

Als erstes: Haltung bewahren. Meinen eigenen inneren Status, der kräftig ist und zupacken kann, bewusst wahrnehmen und einsetzen, ihn ermuntern zum Handeln: Wenn mich niemand anspricht, spreche ich jemanden an. Ich stelle mich und meine Funktion vor, gebe meinem Gegenüber sogar die Hand, wenn es passt, und spreche über eine Episode des Alltags. Viel belächelt, aber immer wieder richtig: Ich spreche über das Wetter und meinen Eindruck davon. Oder über den Raum, in dem man sich befindet.
Da diese Themen rasch erschöpft sind, habe ich andere auf Lager, etwa die derzeitige Verkehrslage in der Stadt, die über alle große Politik und Religion erhaben ist.

Aufmerksam zuhören

Es wäre doch gelacht, wenn mein Gesprächspartner da nicht anbeißen würde. Meine Zuwendung ist ihm ja sicher und mein Freundlichkeit auch. Und mein Humor. Außerdem gut, wenn man im Smalltalk durch Fragen sein Interesse zeigt. Ich höre aufmerksam zu und begleite die Ausführungen mit Aufmerksamkeit und Blickkontakt. Lächeln ist erlaubt.

Kenntnisse haben und zeigen

Wichtig ist, dass Sie das Thema, das Sie anschneiden, beherrschen. Zur Not haben Sie vor der Veranstaltung, wie bereits betont, noch ein paar aktuelle Fakten recherchiert und flechten diese in Ihre Plauderei ein. Sagen Sie ruhig, wenn Sie ein paar Infos gerade erst gelesen oder gehört haben, – reell und Vertrauen erweckend, wenn Sie die Quelle Ihrer Kenntnisse nennen.
Sobald Sie also den ersten Schritt gewagt haben, stellen Sie im Gespräch das Gute Ihrer Geschäftsbeziehung in den Vordergrund. Kritische Belange folgen erst im zweiten Schritt – erst nach dem Ausbau des persönlichen Kontakts.

Weitere Tipps for small business

  • Pausen gehören mit zum Gespräch. Sie sind Inseln zum Ausruhen.
  • Sie müssen nicht geistreich sein. Auch nicht überlegen wirken.
  • Nehmen Sie sich Zeit.
  • Erzählen Sie eine kleine Geschichte, die sie gerade erlebt haben.
  • Ein Erlebnis mit Nachbarn vielleicht oder von Dingen, die sich im Geschäftsleben ereignet haben.
  • Sie dürfen auch Nachfragen, wenn Ihnen etwas unklar ist. Das zeigt Ihr Interesse.
  • Und loben sie, wenn es etwas zu loben gibt, ziehen aber keine Vergleiche.

Sie dürfen Ihren Gesprächspartner auch um Rat bitten, vor allem den männlichen, der sich vermutlich besonders darüber freut.
Frauen und Männer machen unterschiedlichen Smalltalk, heißt es: Männer seien eher zielbewusst, Frauen eher beziehungsbewusst.

Mein Rat hierzu: Auch beim Smalltalk möglichst ehrlich bleiben. Sie probieren es bei nächster Gelegenheit einfach Mal aus. Und wenn Sie alles schon wussten, dann nehmen Sie die Tipps als Test. Sie haben ihn glänzend bestanden, und plaudern auch künftig so locker und souverän, als gäbe es nichts Leichteres auf der Welt – als den charmanten Smalltalk. Und für jene, die zum Zögern neigen: Alles eben Gesagte vergessen und sich einfach spontan reinwerfen in die Menge…

Dr. Gabriele Finger-Hoffmann

© 2017 WBC Südwest - Impressum

/*]]>*/